Einen Garten für die Sinne gestalten

Blütenduft, leise plätscherndes Wasser, sanft wogende Gräser - damit eine kleine Außenfläche in der Stadt zu einem heilsamen, wohltuenden und regenerierenden Garten wird, achte ich auf das Zusammenspiel von Elementen, die die Sinne ansprechen und der Seele gut tun. Dazu gehören:

 

Haptik

Pflanzen und Materialien, die zum Berühren einladen, wie die weichen Blätter des Frauenmantels (Alchemilla mollis), auf denen die Regentropfen abperlen, die flauschigen Blüten des Pennisetum alopecuroides 'Hameln', von der Sonne erwärmten Naturstein auf der Terrasse oder runden Kies, auf dem es sich auch barfuß laufen lässt. 

 

Duft

An Sitzplätze und Wegen sind Duftpflanzen eine Wohltat für die Sinne. Ob Kräuter, wie Rosmarin, Thymian (bestimmte Sorten eignen sich auch als recht trittfeste Bodendecker z.B. zwischen Steinplatten), Minze (die sollte wegen ihrer Expansionstendenzen in einem Topf gehalten werden) oder Duftstauden, die auch von Insekten geliebt werden, wie Duftnessel (Agastache), Blüten-Salbei (Salvia nemorosa), Lavendel (Lavendula) oder als Strauch zum Beispiel der Schneeball (Viburnum opulus)

 

Essbaren Pflanzen

In einem Sinnesgarten geht es auch ums Genießen und um Geschmackserlebnisse. Dafür braucht es kein großes Areal mit extra Nutzgarten oder Hochbeeten für den Gemüseanbau. Denn es geht in diesem Fall nicht um die Selbstversorgung, sondern um das Erlebnis, die Beeren oder Kräuter aus dem eigenen Garten bewusst zu genießen und hier und da ein bisschen zu naschen. Das kann ein Johannisbeerstrauch sein, Walderdbeeren im Schattenbeet als Bodendecker oder die geschmacklich spannenden Kräutervarianten, wie Zitronenthymian, Erdbeer- oder Schokominze, Blattsenf oder Currykraut. 

 

Wasser

Wasser im Garten hat (mindestens) vier positive Effekte auf unser Wohlergehen: Erstens beruhigt der Blick auf Wasser (selbst wenn es nur ein kleines Wasserspiel in einem Tontopf ist), zweitens entspannt das leise Plätschern, drittens dämpft dieses die Stadtgeräusche und schirmt die Umgebung ab und viertens ist es ein Blickfang im Garten. Das fünfte Effekt betrifft die Tier- und Insektenwelt, für die, gerade in Hitzesommern, eine Wasserquelle überlebenswichtig ist.

 

Bäume

Mein Ateliergarten ist nur ca. 100qm groß und es wachsen dort vier große Bäume und zwei kleine. Plus mehrere Sträucher und an zwei Seiten eine sehr hohe Hainbuchenhecke. Ein wichtiger Tipp, einen kleinen Garten größer wirken zu lassen und eine weitere Dimension hinzuzufügen, ist, ihn auch vertikal zu denken. In dem man Höhe mit einplant. Ob durch Bäume oder eine berankte Pergola. Hinzu kommt, dass Bäume der Seele einfach gut tun. Unterm Baum auf der Gartenliege nach einem langen Arbeitstag entspannen und zuschauen, wie die Blätter sanft im Wind wiegen. Das ist Waldbaden im eigenen Garten. 

Nicht zu vergessen: der Sichtschutz zu den Nachbarn. Gerade in Städten und auf kleinen Grundstücken.

Auch angesichts des Klimawandels empfehle ich mehr Mut zur Beschattung durch Bäume. Unsere Häuser werden noch meist nach Süden mit großen Fenstern gebaut. Licht ist wichtig, aber der lichte Schatten durch laubabwerfende Bäume kühlt im Sommer, ohne sich hinter Jalousien zu verbarrikadieren und lässt an kurzen Wintertagen trotzdem Helligkeit hinein. 

 

Struktur

Für einen Wohlfühleffekte empfehle ich den Garten durchdacht zu strukturieren. Zum einen in verschiedene Gartenräume, die in den Garten locken und ihn jeweils in anderer Perspektive erlebbar machen. Und zum anderen Struktur im Sinne von Klarheit und einer gewissen Ordnung. Dazu gehört, dass der Blick auf Schönes fällt anstatt auf eine unordentliche Ecke mit ausrangierten Plastiktöpfen und kaputtem Kinderspielzeug. Zusätzlich kann es bewusst wilde Ecken geben mit Totholz oder einer kleinen Wildblumenwiese, wie zum Beispiel ein nur 1,5 Meter großes Rundbeet inmitten der kleinen Rasenfläche. 

 

Der Ausblick

Das Sehen ist eines der wichtigsten Sinne. Ein schöner Garten erfreut immer das Auge. Mir geht es bei diesem Element aber vor allem um die Blickachsen. Die meiste Zeit im Jahr werden wir im Haus verbringen – mehr mit dem Blick in den Garten als im Garten selbst. Deshalb achte ich darauf, den Garten so zu gestalten, dass es von jedem Sitzplatz drinnen einen wohltuenden Ausblick ins Grüne gibt und der Blick schweifen kann.

 

Geborgenheit

Der Mensch braucht das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ein erholsames Zuhause sollte genau das bieten. Im Garten gelingt dies beispielsweise durch geschützte Sitzecken, Sichtschutz zu Nachbarhäusern, keine versteckten und vergessenen Ecken und zugängliche Wege.

 

Bewegung & Entspannung

Was wie ein Widerspruch klingt, gehört dennoch in einem heilsamen Garten zusammen. Gartenarbeit ist eine äußerst gesunde Tätigkeit, da die vielen unterschiedlichen Bewegungsabläufe (hinhocken, aufstehen, Rotationen, Kraftanwendung usw.) viele Muskelgruppen ansprechen. Das Wühlen in der Erde erdet uns wortwörtlich und die Grundprinzipien des Gärtnerns, wie etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, anzupflanzen und beim Wachsen zu begleiten, Geduld zu haben und im Hier und Jetzt zu sein, können einen meditativen Charakter haben. 

Zur Entspannung gehört aber auch, dass ich die Gärten so plane, dass sie pflegeleicht sind. Üppig bepflanzte Beete, die wenig Raum für Beikraut lassen und weniger Wasser brauchen, wenig oder keinen Rasen und viele mehrjährige Stauden, die nur einmal im Frühjahr geschnitten werden müssen. Dann ist auch genügend Zeit, im Garten einfach mal nichts zu tun, außer dem Vogelgezwitscher zuzuhören und die Bienen und Schmetterlinge zu beobachten, die in jeden noch so kleinen Stadtgarten kommen werden.

 

 

Copyright Maike Kristina Harich

Fotos: Maike Kristin Harich & Canva

 

 

 

Hinweis: Die Menschen und Orte, die ich hier vorstelle, sind rein redaktionell von mir selbst ausgewählt. Es wird also kein Geld für eine Veröffentlichung bezahlt und ich würde auch keines annehmen:-).

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